Schlendern Sie durch eine beliebige deutsche Drogerie – ob DM, Rossmann oder Müller – und Sie werden von der schier endlosen Auswahl an Seren, Tonern, Essenzen, Ampullen und Patches überwältigt sein. Die Werbung suggeriert uns, dass jugendliche Haut zehn Schritte benötigt, wie bei einer koreanischen Pflegeroutine. Deutsche Dermatologen warnen jedoch: Zu viele Hautpflegeprodukte verursachen Akne, Rosacea und vorzeitige Falten bei Frauen zwischen 25 und 40 Jahren. Eine Studie einer Berliner Hautklinik ergab, dass sich die Symptome bei 70 % der Patientinnen mit empfindlicher Haut besserten, nachdem sie ihre Pflegeroutine auf drei oder vier Produkte reduziert hatten. Das Prinzip „Weniger ist mehr“ dient nicht dem Geldsparen, sondern ist eine bewusste Strategie, die im wechselhaften deutschen Klima besonders relevant ist.
Was bedeutet Minimalismus in der Schönheitspflege konkret? Es bedeutet, auf überflüssige Funktionen zu verzichten. Warum braucht man beispielsweise einen separaten Toner mit Hyaluronsäure, wenn das Serum diese bereits in hoher Konzentration enthält? Oder warum braucht man zwei verschiedene Peelings – ein Säurepeeling und ein Peeling mit Partikeln? Das schädigt die Hautbarriere. Das ideale minimalistische Set für eine Frau in Deutschland, beispielsweise in Düsseldorf oder Leipzig, sieht so aus: ein sanfter Reiniger (Mizellenwasser oder -öl), ein Wirkstoff (Vitamin C morgens oder Retinol abends), eine Feuchtigkeitscreme mit Ceramiden und Lichtschutzfaktor für den Tag. Vier Produkte. Und das reicht für 95 % aller Bedürfnisse. Alles andere ist entweder Marketing-Gerede oder gezielte Lösungen (zum Beispiel Anti-Rosacea-Cremes, die nicht jede Frau braucht).
Warum lässt einen die übermäßige Verwendung von Kosmetikprodukten älter aussehen? Erstens ist jedes neue Produkt ein Cocktail aus Konservierungsstoffen, Emulgatoren und Duftstoffen. Selbst wenn diese zugelassen sind, verursacht ihre kombinierte Wirkung chronische Hautreizungen. Zweitens interagieren viele Wirkstoffe miteinander. Beispielsweise neutralisieren sich Vitamin C und Retinol (ohne ausreichende Ruhezeit) gegenseitig und verursachen ein Brennen. Drittens verhindert das Auftragen mehrerer Texturen übereinander, dass Wasser von der Hautoberfläche verdunstet. Dadurch entsteht ein Treibhauseffekt, der die Vermehrung von Bakterien begünstigt. Deutsche Kosmetikerinnen empfehlen eine einfache Regel: Tragen Sie maximal drei Schichten hintereinander auf (Reinigung zählt nicht). Wenn Sie bereits Serum, Creme und Öl verwendet haben, ist ein viertes Produkt überflüssig.
